50+1 ist unantastbar!

Am heutigen Freitag startet die Rückrunde der Saison 2017/18. Morgen greift auch der VfB wieder ins Geschehen ein und wird versuchen, die Klasse zu halten.
Wir wollen diesen Moment nutzen, um einen kurzen Blick zurück, auf das letzte Heimspiel 2017 gegen die Bayern, zu werfen und auch einen Ausblick in die Zukunft zu wagen.

Mit dem deutlichen Spruchband „Ihr geldgeilen Säcke: 50+1 muss unantastbar bleiben – auch für alle Bayerschweine!“ bezogen wir inhaltlich nochmals klar Stellung zur aktuell erneut wiederkehrenden Diskussion um eine mögliche Abschaffung bzw. Änderung der 50+1-Regel.


Die Zahl der Befürworter einer möglichen Änderung ist lang. Angefangen bei Martin Kind, Klaus-Michael Kühne, Karlheinz-Rummenigge oder Uli Hoeneß, um nur einige zu nennen. Auch wenn die einzelnen Zielsetzungen der verschiedenen Charaktere sicherlich sehr unterschiedlich sind, so bleibt doch festzuhalten, dass jede noch so kleine Änderung der 50+1-Regel eben nur der erste Türöffner für die weitere stückchenhafte Auflösung bzw. Zersetzung der Regelung sein wird. Führen wir uns vor Augen, was in den letzten sechs Jahren geschehen ist: Mitte 2011 entschied das Ständige Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenz-Ligen, dass fortan Klubs die Möglichkeit haben sollten, eng verbundenen Finanziers, Sponsoren oder Mäzenen nach 20 Jahren Engagement im Verein die Kapitalmehrheit und Stimmenmehrheit an der Fußball-Kapitalgesellschaft zu übertragen. Dies war bis dahin nur den beiden Werksclubs Bayer Leverkusen (Bayer) und VfL Wolfsburg (VW) gestattet. Mal hinter verschlossenen Türen, mal auf den großen öffentlichen Plattformen wurde in der Folgezeit mal lauter, mal leiser über den Verbleib der 50+1-Regelung diskutiert. Heute nun, Anfang 2018, sind wir an dem Punkt, dass eine weitere Entscheidung in naher Zukunft fallen soll. In diesem Fall muss das Präsidium der DFL entscheiden, ob man der beantragten Ausnahmegenehmigung von Hannover 96 und Martin Kind Recht gibt.
Welche Folgen eine entsprechende Entscheidung haben wird, kann aktuell wohl keiner genau abschätzen. Es ist (noch) nur Spekulation, welche Beweggründe tatsächlich in Hannover vorliegen. Geht es den dortigen handelnden Personen wirklich nur um die „Herzensangelegenheit 96“ oder schlicht und ergreifend doch um die Machtübernahme in einem Fußballclub? Ein Bundesligist in den Händen eines Einzelnen? Sollten da nicht die Alarmglocken schrillen? Richtig, Martin Kind ist kein unbekannter Geldgeber aus dem asiatischen Raum. Aber ändert das etwas? Verliert der Fußball in Deutschland dadurch nicht abermals ein großes, wenn nicht das größte Stück der Selbstbestimmung, die aktuell noch möglich ist? Machen wir uns bewusst: Hannover 96 wird möglichweise nur ein neuer Anfang sein. Wie lange wird es dauern, bis ein weiteres Unternehmen die erforderlichen 20 Jahre vorweisen kann? Wer garantiert uns, dass nach einem Wegfall der 50+1-Regel die Anteile der Clubs nicht im Nachgang an Dritte weiter verkauft werden? Wollen wir wirklich Zustände wie beispielsweise in Frankreich oder England? Es muss uns bewusst werden: Eine weitere Aufweichung wird den Fußball wieder ein Stück weiter zerstören. Und nein, das ist kein altmodisches Getue von Fußballromantikern. Das ist die Realität. Sind Hoffenheim und Leipzig hierzulande nicht warnende Beispiele genug? Zeigt sie nicht deutlich auf, wohin die Reise gehen wird? Mäzene und Investoren erschaffen sich wortwörtlich ein Machwerk ihrer Vorstellung des Fußballs. Und auch hier ist es völlig nebensächlich, ob das nun das Spielzeug eines alten Mannes ist oder die Werbeplattform eines multinationalen Unternehmens. In beiden Fällen haben sowohl Hoffenheim als auch RB den Fußball nachhaltig und unwiderruflich verändert. Es sollte uns Warnung genug sein. Und wie gesagt, es ist aktuell nur Spekulation, welche Folgen die Entscheidung für Hannover 96 haben wird. Doch seien wir ehrlich: Erwarten wir wirklich eine positive Veränderung im Business Fußball, wenn wir Einzelnen noch mehr Macht geben und ganze Bundesligaclubs auf Gedeih und Verderben allein diesen Einzelnen ausliefern?
Auch wenn dieser Kampf dem gegen die oftmals beschworenen Windmühlen gleicht: Solange die Chance besteht, muss für den Erhalt der 50+1-Regel gekämpft werden!

Der Fußball in Deutschland muss weiterhin selbstbestimmt bleiben können. Es ist Augenwischerei, wenn führende Verantwortliche das mäßige Abschneiden der deutschen Vertreter in den internationalen Wettbewerben allein auf die fehlenden Möglichkeiten durch den Bestand der 50+1-Regel zurückführen. Hier wird versucht, die Aktualität zu nutzen und Stimmung zu erzeugen. Oder ist RB Leipzig auch aufgrund fehlender finanzieller Chancen aus der Königsklasse geflogen? Absoluter Blödsinn!
Noch besteht die Gelegenheit, dass die handelnden Personen erkennen, welcher Gefahr sie den Fußball aussetzen. Wie notwendig es ist, sich auch den „Großen“ der Branche entgegen zu stellen und für den immer wieder zitierten Volkssport einzustehen. Was fehlt, ist der Glaube daran! Es liegt wohl an uns Fans, den rollenden Stein aufzuhalten. Stellen wir uns denen entgegen, die den Fußball zum Aufbau und Erhalt der eigenen Macht missbrauchen. Wehren wir uns gegen die, die sich alleinige Selbstbestimmung aneignen wollen. Und kämpfen wir entschlossen für den Erhalt von 50+1!
Der Fußball in Deutschland braucht 50+1. Wir Fans brauchen 50+1! Diese Regelung gibt uns und dem Fußball die Möglichkeit der Abgrenzung, der Eigenständigkeit und der Selbsterhaltung. Ohne 50+1 wird der Fußball über kurz oder lang in seiner heutigen Form vor die Hunde gehen. Machen wir uns bewusst, was uns der Fußball wert ist. Geht es wirklich um die Maximierung von Erfolg und Kapital? Oder hat sich der Sport noch etwas von dem erhalten, warum die allermeisten der Hundertausenden an den Wochenenden in die Stadien pilgern? Liegt es vielleicht daran, dass wir uns noch eine kleine Blase erhalten konnten, in der wir das Gefühl haben, dass der Fußball ein kleines, ganz kleines bisschen zumindest noch auch jedem Einzelnen gehört und wir es schaffen, mit unseren Stimmen, unserem Handeln und Tun kleine Veränderungen anzustoßen, die Großes bewegen können?

Für den Fußball – für 50+1!
50+1 muss unantastbar bleiben!

Dieser Beitrag wurde unter Saison 17/18 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.