Ordentliche Mitgliederversammlung

Am kommenden Sonntag findet die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart statt. Neben den erstmaligen Wahlen des neuen Vereinsbeirates durch die anwesende Mitgliedschaft, stehen zwei Satzungsänderungen auf der Tagesordnung. Unter TOP 9.2 soll über die Änderung bzw. Ergänzung der Satzung durch „Einführung der Möglichkeit der Fernabstimmung“ abgestimmt werden – anders ausgedrückt geht es dabei um die Einführung der Briefwahl. Bereits in den Jahren 2012 und 2016 stand eine solche Satzungsänderung zur Debatte. In beiden Fällen konnte der Antrag die erforderliche Stimmenanzahl nicht erreichen. Nun soll am Sonntag erneut und damit ein drittes Mal über dieses Thema abgestimmt werden. Nach zwei gescheiterten Versuchen sollte eigentlich deutlich geworden sein, dass die Mitgliedschaft einer solchen Änderung nicht zustimmen möchte und somit die Satzungsänderung ablehnt.

Dieses Vorgehen erzeugt einmal mehr das schon bekannte und seit Jahren gängige „Gschmäckle“, wenn es um diese oder ähnliche organisatorische Themen innerhalb des Vereins geht. Gleichwohl steht am Sonntag die Satzungsänderung erneut auf der Agenda. Sicherlich gibt es diskutable Argumente, die tatsächlich für eine Briefwahl sprechen würden. Doch gleichzeitig beschneidet die Einführung der Fernabstimmung noch einmal erheblich die Rechte und Verantwortlichkeiten der Mitgliederversammlung. Das höchste Organ des Vereins würde mit einem solchen Schritt weiter an Bedeutung einbüßen und die wichtigen Eigenschaften und Fähigkeiten preisgeben, die ihm nach der Ausgliederung der Fußball-Abteilung aus dem Hauptverein noch bleiben. Nicht nur, dass die Versammlung an sich ihren Wert verliert, da eine persönliche Teilnahme nicht mehr notwendig ist. Unter anderem würden auch sämtliche Redebeiträge den größten Teil ihrer inhaltlichen Bedeutsamkeit verwirken, da über alle möglichen Änderungen schon VOR der Mitgliederversammlung per Brief abgestimmt werden müsste!

Gehen wir davon aus, dass sich am Sonntag – wenige Stunden nach dem Auswärtsspiel des VfB in Bremen – tatsächlich 3.000 Mitglieder, zur Mitgliederversammlung einfinden. Bestünde nun die Möglichkeit einer Briefwahl, könnten alle Mitglieder des Vereins theoretisch bereits im Vorfeld abstimmen. Nehmen wir an 27.000 Mitglieder würden davon Gebrauch machen, wären bereits 90Prozent der Stimmen abgegeben und eine Entscheidung bereits gefallen. De facto wäre die Mitgliederversammlung in diesem Fall entmachtet und in ihrer Beschlussfähigkeit eingeschränkt! Ganz nebenbei würde mit der Einführung einer Briefwahl allen Mitgliedern zudem die Möglichkeit genommen, während der MV Anträge einzureichen. Wenn die Mitgliederversammlung weiterhin das höchste Organ innerhalb des Vereins bleiben soll, dann steht eine mögliche Briefwahl im krassen Gegensatz hierzu. Und hierbei geht es sicherlich nicht darum, weiter entfernt wohnenden Mitgliedern ihr Stimmrecht „vorzuenthalten“ oder sich gegen eine weitere Demokratisierung zu stellen!

Vielmehr müssen die letzten Rechte der Mitgliederversammlung bewahrt werden! Auch wenn dies für den Einzelnen einen höheren Aufwand an einem einzigen Tag im Jahr bedeutet. Genau diese Bereitschaft sollte Grundvoraussetzung sein, um „mitzugestalten“! Fraglos wäre es einfacher und stressfreier vom heimischen Sofa aus. Doch kann und darf das der Anspruch sein? Sind wir tatsächlich zu bequem geworden, uns diese eine MV pro Jahr anzutun? Was passiert, wenn der Verein eines Tages seine großspurigen Ankündigungen wahr machen kann und sich 100.000 Menschen als Mitglied des VfB Stuttgart eingeschrieben haben? Sind wir uns dann noch sicher, dass die zur Diskussion stehenden Thematiken von den Mitgliedern entschieden werden, die wirklich Zeit und Energie in den Verein und ihre Mitgliedschaft investieren? Oder wollen wir uns endgültig den Personen unterwerfen, die ihre Mitgliedschaft zu größten Teilen damit begründen, dass sie ihr „Kärtle“ gegen die Bayern wollen?!
Und seien wir ehrlich zu uns: Dazu braucht es keine 100.000 Mitglieder! Die Zahlen der anwesenden Mitglieder der letzten Jahre zeigten deutlich, wie viele Mitglieder wirklich bereit sind, ihr Stimmrecht aktiv wahrzunehmen! Daher Nein zur Briefwahl und der Satzungsänderung unter TOP 9.2!

Die letzten Rechte der Mitgliederversammlung bewahren!

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