Spruchbanderklärung: Videobeweis: 100% Gerechtigkeit? 0% Fußball!

Inzwischen vergeht kaum ein Tag an dem in den diversen Medien, im privaten Umfeld oder eben am Spieltag direkt im Stadion nicht über den Videobeweis diskutiert werden muss. Welche Entscheidung zu welchem Zeitpunkt wie getroffen wird, scheint aktuell weder der gemeine Fan, noch die Offiziellen der verschiedenen Clubs einordnen zu können. Und selbst in der obersten Etage scheint es so, als ob der DFB nicht ansatzweise weiß, wie und vor allem wer wann in das Spiel eingreifen muss, darf oder kann. Dass nun durch den DFB eine nicht vorab kommunizierte Kursänderung nach dem fünften Spieltag durchgeführt wurde, setzte dem Ganzen gefühlt zumindest für wenige Tage die Krone auf. Dass dieses Vorgehen gleichzeitig wohl nicht einmal intern abgestimmt wurde, verdeutlicht umso mehr wie wenig der Videobeweis zur allgemeinen Beruhigung der Lage beigetragen hat. Anders sind die Aussagen vom Präsidenten des Kasperletheaters DFB, Herr Grindel, wohl kaum zu deuten: „Dieses Schreiben wurde mit mir nicht abgestimmt. Ich bin darüber nicht glücklich“.

Es bleibt festzuhalten. Von mehr Gerechtigkeit, wie der DFB den Zweck des Videobeweises definierte, ist aktuell schlicht und ergreifend nichts zu spüren!

Dieses Gefühl welches bei einer breiten Masse der Fußballfans Einzug erhalten hat, wird auch keinesfalls durch inhaltslose Aussagen von Herrn Grindel verbessert, der im Videobeweis weiterhin „…eine Möglichkeit, für Gerechtigkeit im Fußball zu sorgen…“ sieht.

Doch sind wir ehrlich, welche andere Aussage wäre aus dem Hause DFB auch zu erwarten gewesen? Selbstverständlich verteidigt man sein neues Lieblingsprojekt vehement und versucht damit von den vielen anderen, zum Teil weit aus wichtigeren kritischen Themen gekonnt abzulenken. Was kann dem Verband denn Besseres passieren, als wenn medial beinahe auschließlich über dieses Projekt berichtet wird? Wer kräht aktuell denn noch nach den 19,2 Millionen Euro, die der DFB an das Finanzamt Frankfurt in Folge der Machenschaften um die WM 2006 nachzahlen soll oder die mögliche Aberkennung der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006? Sicherlich, diese Liste ließe sich beliebig erweitern. Doch das Wesentliche sollte deutlich geworden sein. In der aktuellen Situation wird der DFB einen Teufel tun und nur auch einen Fingerbreit von seiner Linie abrücken. Viel zu groß wäre die Gefahr, dass man erneut in die Defensive gedrängt wird und wirklich bedeutende Fragen rund um den Verband diskutiert werden.

Wichtig ist gleichzeitig aber auch, dass hier zwei unterschiedliche Dinge nicht vermischt werden.

Auf der einen Seite die oben genannte Vorgehensweise des DFB, die in jedem Fall mehr als deutlich hinterfragt werden muss. Tun wir dem DFB nicht den Gefallen und lassen uns blenden. Die eine Scheiße darf von einer zweiten schlicht nicht überlagert werden!
Auf der anderen Seite gilt es, dass wir uns deutlich machen um was es hier inhaltlich geht. Der Videobeweis dient letztendlich dazu den Fußball wieder ein Stück glatter zu machen. Man nimmt ihm wieder ein Stück Lebendigkeit, Dynamik und Aggresivität sowie vor allem Emotionalität. Genau die Attribute, die den Fußball so authentisch machen. Doch gleichzeitig sind diese Punkte eben auch genau das, was dem DFB ein Dorn im Auge zu sein scheint. Dynamik, Aggresivität und Emotionalität. So etwas passt scheinbar nicht in den Fußball der uns Stück für Stück schmackhaft und weltweit vermarktbar gemacht werden soll!
Hier versucht man dem Sport einen weiteren Reiz zu nehmen. Doch genau diese Reize machen ihn doch genau zu dem, was er ist und damit zu etwas Besonderem. Dieses Gefühl wenn der Schiedsrichter in der vorletzten Minute auf Elfmeter entscheidet. Das ist Fußball. Und so soll er bleiben!

Wir brauchen keinen dritten, vierten oder fünften Schiedsrichter der im dunklen Kämmerlein seine Entscheidung trifft um bei jeder strittigen Entscheidung, Toren und inzwischen auch bei 0815 Situationen erst einmal abwarten lässt wie der Videobeweis entscheidet.

Es mag sein, dass der Fußball gerechter werden könnte. Doch er verliert gleichzeitig in jedem Fall wieder ein Stück seiner Identität.
Wir müssen erkennen, dass es notwendig ist, dieses Projekt in jedem Fall und in vollem Umfang abzulehnen! Und dies auch völlig unabhänig davon, ob der DFB in den kommenden Wochen den aktuellen Stand erneut anpasst und aus seiner Sicht „transparenter“ gestaltet.

Der Fußball braucht keinen Videobeweis! Er braucht freie und ungesteuerte Emotionen. Ansonsten wird der Sport wieder ein Stück angepasster und gleichzeitig austauschbarer!

Oder anders ausgedrückt:

100% Gerechtigkeit? 0% Fussball! Nein zum Videobeweis!

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