Gedanken und Geschichten aus dem A-Block

In den vergangenen Ausgaben der Supporter News haben wir euch aufgerufen, dass ihr uns eure Gedanken und Geschichten aus dem A-Block schickt. Wir danken all denen, die uns ihre Zeilen geschickt haben und somit zu einer etwas interaktiveren Ausgabe der SN beigetragen haben. Im Folgenden könnt ihr die verschiedenen Reaktionen und Geschichten auch auf unserer Homepage lesen, die diese Aktion hervorgerufen hat:


Sasa:
Das erste Mal im A-Block und somit auch zum ersten mal im Neckarstadion war ich am 18.05.1996. Damals gewann der VfB mit 2 Toren von Fredi Bobic und einem Tor durch Elber mit 3:1 gegen den KSC. Mein Vater nahm mich mit 9 Jahren damals zum ersten Mal ins Stadion und als kleiner Knirps habe ich alles runtergeschrien was mir so eingefallen ist (u.a. „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“-!?). Seitdem komme ich regelmäßig in den A-Block.Nicht weil ich das Spiel unbedingt live sehen möchte oder einen „Lieblingsspieler“ hautnah erleben möchte. Nein ich komme ins Stadion, um den VfB zum Sieg zu schreien, zu singen, zu drängen. Das ist meine Art und Weise dem Verein etwas zurückzugeben.
Aber warum gerade der A-Block? Nun im A-Block kann ich meine Emotionen am besten zur Sprache bringen und es ist einfach dieser Mythos, der einen nochmal dazu motiviert alles zu geben. Wenn ich die alten Haudegen sehe mit ihren A-Block Westen, dann erfällt mich das mit Stolz und Verpflichtung den Mythos A-Block nicht untergehen zu lassen.
Im A-Block sind wir alle gleich. Egal welches Geschlecht, aus welchem Land man stammt oder welche politische Richtung man verfolgt. Uns eint die Liebe zum VfB und dem Drang den VfB zu einer besseren Leistung zu singen.
Für mich ist der A-Block eine Institution und nicht einfach nur ein Stadionsegment. Auch wenn es ihn nicht mehr geben sollte, so wird der A-Block mich immer ins Stadion locken und mich dazu bewegen alles für den VfB zu geben.
Auch wenn der Text schmalzig rüber kommt, so gibt er genau mein Gefühl wider, welches ich jedes Mal beim Betreten des Stadions habe.

D.Kranz:
Hallo Schwabensturm02,
in eurem Flyer, welcher mal wieder sehr gelungen ist, vom Heimspiel gegen BMG habe ich gelesen, dass man euch seine ganz persönlichen Gedanken zum
A-Block schicken kann. Dies würde ich hiermit gerne tun. Kurz zu meiner Person, ich bin 28 Jahre alt, wohne seit ich fünf bin in der Nähe von Düsseldorf, habe mein erstes Bundesliga-Spiel 1988 im Neckarstadion verfolgen dürfen, es war Herbst 1988 und wir haben den KSC 2:0 besiegt, das Ticket, auf dem aus irgendeinem Grund nur Stehplatz steht und nicht A-Block, habe ich immer noch. In den Folgejahren hatte ich stets eine Dauerkarte, zur Schulzeit ging das auch ohne Probleme und wenn der Vater bei der Deutschen Bundesbahn arbeitet, kann man per Zug stets günstig nach Stuttgart fahren. Heute komme ich leider nur noch 3-6 Mal pro Saison zu einem Heimspiel, dann aber immer in den A-Block.
Ansonsten verfolge ich seit dem alle NRW-Auswärtsspiele unseres VfB´s im jeweiligen Stadion, nach FFM, Bremen und Hannover fahre ich auch jedes Jahr auswärts. Leider lässt mein Job momentan keine weiteren Heimspielbesuche zu.
Allerdings habe ich am vergangenen Samstag (mein letztes Heimspiel für diese Saison) den Spieltag komplett ausgekostet. Um halb 6 Uhr morgens fuhr ich dann also mit meiner Freundin von Langenfeld (RHLD) mit dem Auto los, mit dem Ziel Stuttgart-Bad Cannstatt. Um 12 Uhr mittags trafen wir dann am Stadion ein und haben zunächst den obligatorischen Besuch an der Baustelle Untertürkheimer Kurve und den diversen Fanständen auf der Mercedes-Straße vollzogen. Unmittelbar nach Stadionöffnung sind wir hinein gegangen, ich wollte heute den A-Block bzw. die CK nochmals in voller Länge genießen können. Wir standen wie beinahe immer ganz oben im A-Block mit Blick auf euch! An diesem Platz habe ich beinahe alle Heimspiele verfolgt. Lediglich das Meisterschaftsspielspiel 2007 gegen Cottbus musste ich im B-Block verfolgen. Am Samstag musste ich bei der Choreographie vor dem Spielschon sehr tief schlucken. Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann letztlich realisiert, dass bei meinem nächsten Heimspielbesuch nichts mehr von der CK übrig sein wird. Den Spielverlauf hatte ich beinahe so vorausgeahnt, zum Glück hat mir die Mannschaft zu meinem Abschied aus der alten CK einen Sieg geschenkt. Nach Spielende habe ich dann bis ca. 18.30Uhr ganz persönlich Abschied im Block genommen.
Das geht nun mal am besten, wenn man fast alleine im Stadion ist! Es war für mich und meine Freundin ein sehr bewegender Moment, ihr sind doch die Tränen gekommen, ich musste ebenfalls mehrmals schlucken.
Abschließend bleibt mir noch zu sagen, ich empfehle es jedem nach dem einem der letzten beiden Heimspiele im Block zu verharren und sich noch einmal mit einmaligen Eindrücken vollzusaugen. Als bekannt wurde, dass der VfB sein Stadion in ein reines Fußballstadion umbaut, habe ich mich sehr gefreut, doch nun bleibt mir noch zu sagen, egal wie nah man
im neuen Stadion am Spielfeld steht, egal wie schick und modern es sein wird, egal wie sehr sich alle auf dieses Stadion freuen, für mich persönlich wird die „alte CK“ für immer zu meinen Wurzeln gehören und im neuen Stadion werde ich mich mit Sicherheit zunächst fremd fühlen.
In diesem Sinne auf ein geiles Saisonfinale

Simon:
Jaja, das war schon ein wundervolles Erlebnis das erste Mal den legendären A-Block zu betreten. Der VfB spielte damals gegen Wolfsburg und gewann souverän mit 4:1. Es war einfach großartig, diese Atmosphäre! Ich sah auch das erste Mal die verschiedenen Gesichter des A-Blocks. Vom Ultra, über den Normalo, bis hin zum A-Block-Kuttenträger. Es war echt atemberaubend als mir eine traditionelle Brustringfahne in die Hand gedrückt wurde. Ich schwenkte sie recht fleißig und es war ein tolles Gefühl endlich ein A-Blocker zu sein

Stefan:
Das erste Mal im Neckarstadion war ich als kleiner Bub beim 1:1 gegen Rostock 2003. Die Karte für die Gegentribüne habe ich von meinem Onkel zum 11ten Geburtstag gekriegt. Außer dem Ergebnis weiß ich nicht mehr viel, bis auf einen Satz den ich meinen Eltern daheim erzählte: „..und die im A-Block sind die Chefs vom ganzen Stadion!“
Ein Jahr später war es dann soweit. Wieder zum Geburtstag bekam ich Karten fürs Spiel gegen Gladbach, diesmal, auch aus Kostengründen, im A-Block. Schon Wochen im Voraus war die Vorfreude riesengroß und obwohl ich meinen Kopf manchmal arg nach oben recken musste um was vom Spiel zu sehen, gefiel es mir noch besser als im Jahr davor.
Spätestens jetzt war ich im Stadionfieber und bettelte meine Eltern immer öfter an mit mir ins Stadion zu gehen. Heute habe ich eine Dauerkarte und bin bei fast jedem Spiel dabei.
Der Abschied von diesem Block und der Kurve wird mir, wie vielen anderen wahrscheinlich auch, sehr schwer fallen. Hoffentlich finde ich im „neuen“ Stadion wieder einen Platz der mir so gut gefällt wie mein jetziger. Ade A-Block, ade Cannstatter Kurve!

Yannick:
Die Cannstatter Kurve
Nun ist es also soweit. Der 1. Mai 2010. Lange hab ich mich vor diesem Tag gefürchtet, gebetet er möge fernbleiben. Jetzt ist er aber doch gekommen. Das letzte Treffen mit meiner besten Freundin, bevor sie uns für eine bessere Zukunft verlässt. Wer weiß schon, wann ich sie wiedersehen werde und in welcher Form. Wehmut steigt in mir auf. Was habe ich nicht alles mit ihr erlebt. Zwar war es manchmal eine ein wenig einseitige Freundschaft, da ich ja nicht ihr einziger Freund bin, aber zumeist hab ich die gemeinsamen Stunden mit ihr genießen können. Natürlich gab es auch schlechte Zeiten, aber wir haben uns immer gemeinsam herausgezogen. Der Erfolg und die schönen Zeiten haben glücklicherweise überwogen, auch große Momente und Stunden wurden häufiger in der Vergangenheit. Zuletzt das tolle Spiel gegen Barcelona, wo ich gemeinsam mit ihr und 40.000 anderen Stuttgartern eine ruhmreiche Nacht gegen die größte Mannschaft der Welt mit unserem Verein erleben durfte.
Es lohnt sich, in Erinnerungen zu schwelgen, denn die Zukunft ist ungewiss. Niemand kann sagen, ob es das gleiche Gefühl sein wird wie vorher, wenn man zwar hier im Neckarstadion ist, aber doch irgendwie etwas fehlt.
Fehlen wird mir auch mein Block, unser Block, der A-Block. Ein komisches Gefühl, einer der auserwählten Menschen zu sein, die diesem Block die letzte Ehre erweisen dürfen, noch einmal 90
Minuten für den Brustring dazusein, und es erfüllt mich trotz aller Traurigkeit mit Stolz. Auch hierbei überkommt mich wieder ein Anflug von Melancholie im Hinblick auf die großen Stunden, die uns dieser Block in dieser Kurve gegeben hat.
Nun stehe ich also hier am 1. Mai 2010 im altehrwürdigen A-Block und genieße meine letzten Stunden mit ihr mit Blick auf den Rasen. Noch 90 Minuten bleiben uns. Wer hätte gedacht, dass dieser Moment je kommen würde, an jenem Tag vor 11 Jahren, als wir uns das erste Mal begegneten?
Doch wie gesagt, uns bleibt die Erinnerung. Und wenn ich mich an unsere Begegnungen erinnern werde, dann werde ich stolz zurückschauen, denn viele Begegnungen mit ihr, mit dir, waren viele der schönsten Erinnerungen, die ich habe und dafür möchte ich dir danken. Du wirst mir fehlen.
In diesem Sinne, einer deiner besten Freunde sagt dir auf Wiedersehen. Doch vorher heißt es noch einmal 90 Minuten Leidenschaft!

Marcel:
Ich weiß noch wie ich das erste Mal in A-Block ging ich hatte meine Karte gezeigt wurde kontrolliert und ging die Treppen zum Stadion hinauf.
Ich stand oben an den Treppen, blickte auf das Spielfeld, es war einfach ein geiles Gefühl. Ich drehte mich um und sah den A-Block, ich hatte schon so viel von ihm gehört und welche Geschichte er hat. Es war ein echt geiles Gefühl als ich dann im A-Block stand auf das Spielfeld schaute und in die Untertürkheimer Kurve schaute und das ganze Stadion im Blick hatte. Es war der Hammer: Die Stimmung, die Emotionen und alles drum herum. Diesen Tag werde ich nie vergessen. Es war ein einmaliges Erlebnis aber auch noch jetzt wenn ich immer und immer wieder in den A-Block laufe, ist es einfach geil und sehr emotional.
Ich werde diesen Block & diese Kurve nie vergessen!
A-BLOCK Tradition stirbt nie!

Niko:
Es ist Donnerstag Mittag, 12.42 Uhr und ich sitze im Unterricht… Chemie. Löslichkeitsverfahren! Was ich davon halte, kann man sich denken. Auf jeden Fall klingelt es in 8 Minuten und ich bin dem Wochenende ein Stückchen näher. Nur noch den Freitag mit 5 Schulstunden absitzen und ich bin frei. Seit Montag freue ich mich auf das Wochenende, wie jede andere Woche auch. Denn am Wochenende sehe ich meine große Liebe wieder. Nein, es ist kein Mädchen. Es ist der VfB Stuttgart. Seit vielen Jahren fahre ich nun ins Stadion. War es am Anfang noch selten und unregelmäßig, so habe ich meine Dauerkarte doch schon seit 3 Jahren. Das erste Mal in der Cannstatter Kurve war zugleich auch der erste Besuch im Stadion. Und für mich stand fest: Hier will ich sein, und jedes Spiel von hier aus sehen. In den jungen Jahren war mein Blick immer nach rechts geschweift, wo ich die Fanblöcke sehen konnte. „Papa, da will ich auch mal hin“, sagte ich nach dem Spiel zu ihm und er grinste mir zu. Aus diesem Grinsen konnte ich entnehmen, dass ich dort früher oder später stehen werde um meinen Verein lautstark zu unterstützen. Ich erinnere mich noch ganz genau an mein erstes Spiel in einem dieser Fanblöcke, dem A-Block. Es war der 28.05.2005. Der VfB spielt 4:4 gegen Bremen, es war bombastisch. Hier im A-Block habe ich dann auch einige schöne und aber auch genauso bittere Momente erlebt. Der Höhepunkt war natürlich, wie für jeden anderen auch, das Meisterschaftsendspiel 2007, als man Energie Cottbus mit 2:1 besiegte. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich an Hitzlsperger’s fulminanten Schuss ins Tor denke. Ein weiterer Höhepunkt waren natürlich die beiden Derbys 07/08 und 08/09, die durchaus gelungene Choreografie gegen das Badische Pack. Derbysieger!
Es gab genauso bittere Momente, bei denen man den Tränen nahe ist. Das war bei mir nicht etwa die 1:5 Klatsche gegen Bayern im DFB-Pokal Achtelfinale 2009, oder andere bittere Niederlagen, die man gerne verdrängt hätte, sondern das 1:1 gegen die Glasgow Rangers in der laufenden CL-Saison. Man schreit sich die Kehle aus dem Hals, gibt alles, unterstützt die Mannschaft, wo man nur kann und feuert sie an so gut es nur geht, doch trotzdem kommt nicht mehr als ein Unentschieden raus, obwohl die Mannschaft gekämpft hat und gewinnen hätte können, ja, gar müssen! So etwas ist bitter. Die Mannschaft kämpft und gibt alles und trotzdem fühlt sich ein 1:1 in der hochumjubelten Königsklasse an wie eine Niederlage.
Die ganze Hinrunde 2009/2010 war ja sowieso nicht wirklich anschaubarer Fußball und dank dem Trainerwechsel nach dem Bochum-Spiel spielt der Verein für Bewegungsspiele 1893 e.V. einen anschaulichen und tatsächlich auch erfolgreichen Fußball. Nach Platz 16 beim besagten Trainerwechsel ist man jetzt, 2 Spiele vor Schluss auf Platz 6, der vermutlich zur Europa-League reicht, und hat sogar noch Chancen auf die Champions-League-Qualifikation. Doch anstatt mich auf die nächste Saison zu freuen, trauere ich und genieße lieber das letzte Spiel im A-Block, in der Cannstatter Kurve. Es ist ein mulmiges Gefühl, wenn ich daran denke. Nächste Saison wird dort, wo ich so viele Spiele des VfB verfolgt habe, soviel Spaß mit meinen Freunden hatte und dort wo ich groß geworden bin, eine riesengroße Baustelle sein. Das gute, alte Neckarstadion wird umgebaut. Die Untertürkheimer Kurve ist schon weg und bald wird auch die Cannstatter Kurve den Baggern weichen müssen. Ich bin sehr traurig darüber, dass die Kurve abgerissen wird, doch bin auch glücklich darüber, dass ich die Ära Cannstatter Kurve und den A-Block erleben durfte! Neckarstadion, bleiben wird dein Name und die Erinnerung an dich!

Durstig:
Das Stadion tobt, kurz von Anpfiff. Jetzt noch schnell die Rote Wurst fertig essen. Die Zeit wird knapp man will ja nichts verpassen. Du rennst die Treppen der Cannstatter Kurve hinauf und plötzlich spürst du dieses Gänsehaugefühl und merkst wie dein Körper von Adrenalin durchströmt wird!
So oder so ähnlich erging es mir in den Anfangszeiten als ich damals meine ersten A-Block Karten hatte. Das erst mal ein richtiger Teil davon. Dann gabs endlich die lang ersehnte Dauerkarte und wie sollte es auch sein natürlich für den A-Block. Damals hatte ich mein hart erspartes Geld zusammen gekratzt und habe mir diesen langgehegten Traum erfüllt. Wenn ich mit Freunde über Fußball redete die nicht oft zum VfB gingen, fragten sie immer wo ich denn meine Dauerkarte hätte. Darauf antwortete ich: „Natürlich A-Block“. Selbst Freunde die nicht so Fußball interessiert waren wussten genau was der A-Block ist. Dieser Stolz, dieses Gänsehautgefühl, das ich jedesmal hatte als ich unseren VfB nach vorne schrie, werde ich niemals vergessen. Diese unglaubliche Kraft die auftritt, wenn Tausende ihre Schlachtrufe rauschreien, ist für mich, obwohl ich doch jetzt schon eine lange Zeit dabei bin, immer noch unbeschreiblich. Viele werden ihren Kindern oder Enkeln von dieser Zeit erzählen, selbst wenn es nicht alle tun: Ich werde es. Denn für mich ist der A-Block nicht nur ein Bauwerk sondern dort habe ich auch wahre Freunde gefunden. A-BLOCK Tradition stirbt nie!!

Phillip:
Ein letztes Heimspiel für diese Saison, ein letztes Mal den altbekannten Weg aus Cannstatts Innenstadt zu der ehrwürdigen Schüssel an der Mercedesstraße. Aber diesmal ist es nicht wie immer. Dieses Mal wird es ein besonderes letztes Mal sein. Das letzte Mal in der alten Cannstatter Kurve und im alten A-Block. Bleiben werden nicht nur die großen Erfolge, wie die Meisterschaft 2007 oder der Sieg in der Champions League gegen Manchester. Bleiben werden auch die kleinen Erfolge und bittere Niederlagen. Der erlösende Jubel nach Andi Becks Siegtor gegen Leverkusen in der Saison 07/08, als man endlich wieder gewann. Oder die Niedergeschlagenheit nach einer der vielen bitteren Niederlagen gegen den FC Bayern.
Man kann Gefühl und die Emotionen, die man mit dieser Kurve und diesem Block nicht in Worte fassen, aber man kann versuchen, sie am Beispiel solcher Momente zu bewahren.

Chrissie:
Mein erstes Spiel im A-Block…ich war stolze fast 14 jahre alt, als ich das erste Mal die heiligen Stufen betrat…meine Kusine ging schon seit längerem immer mal wieder ins Neckarstadion und erzählte oft begeistert davon. Also wuchs in mir der Wunsch, diesen legendären Ort auch mal zu sehn. Unter höchsten Angstbekundungen meiner Mum („pass auf da sind lauter Besoffene, am besten gehst einfach 10 Minuten vor Spielende, damit dir nix passiert, Kind, pass au auf dich auf, am Ende wirst noch verprügelt, bist du sicher, dass du des machen willst?“) zog ich also los Richtung Cannstatt, mehr als gespannt auf das, was mich erwarten würde. Keine Ahnung von Fußball, die Tabelle nicht ansatzweise verstanden aber irgendwie begeistert saß ich mit vor Aufregung nasskalten Händen in der S-Bahn.
Im Block selbst war ich einfach überwältigt von den vielen Eindrücken, die mich überschwemmten. Doch viel Zeit um das ganze Szenario auf mich wirken zu lassen, blieb mir nicht, denn nach kurzem Durchblättern der Stadionzeitung („schau dir die Mannschaftsfotos an damit du weißt wer bei uns kickt und wer bei den andren“) gings los mit der Mannschaftsaufstellung…untermalt von dauernden Erklärungen meiner Kusine erlebte ich einen wenig glanzvollen, aber irgendwie trotzdem lebensverändernden 1:0-Sieg gegen Kaiserslautern.
Im Siegesrausch kaufte ich mir sofort meinen allerersten Fanschal, voller Stolz saß ich mit dem guten Stück um den Hals in S-Bahn und Bus…obwohl ich die meisten Lieder beim ersten Stadionbesuch nicht kannte, hatte ich mich heiser geschrien. Im Nachhinein betrachtet bin ich seitdem vom Brustring angefixt…so oft das Taschengeld und die besorgten Eltern es zuließen, war ich dann im Stadion. Natürlich war das am Anfang eher selten und von einer Dauerkarte nicht im Entferntesten die Rede, aber jedes Mal, wenn ich wieder ins Neckarstadion fahren konnte, war ein absolutes Highlight. Schon Wochen vorher riesige Vorfreude und völliges Ausrasten dann im Stadion, alles geben und am nächsten Tag freudestrahlend erzählen, dass die Stimme weg ist, weil man im A-Block war. Geil!
Mit der Zeit und einigen Taschengelderhöhungen schaffte ich es, immer häufiger Richtung Neckarstadion zu pilgern. Und mit der Zeit und der ersten Dauerkarte wurde es beinahe zu einem Stück Routine, der zweiwöchentliche Gang ins Neckarstadion…Erst jetzt geht mir langsam auf, was schon so bald nichtmehr da sein wird…der Block, der mich eine lange Zeit als eins der wenigen konstanten Dinge im Leben begleitet hat, wird bald nichtmehr existieren… Grandiose Momente, Tage, an denen man resignieren wollte, tristes Mittelfeldgrau, einiges habe ich in meiner –natürlich vergleichsweise kurzen- A-Block-Zeit erlebt…dieser Block und die Menschen darin haben mich für immer beeinflusst. Danke A-Block! Du wirst für immer in meinem Herzen und meiner Erinnerung sein!

Clemens:
Dieser Block hat mich geformt, hat mich aufgenommen und mir ein Zuhause gegeben. Hier habe ich Freunde fürs Leben gefunden. Einen Ort, wo ich und vor allem mein Herz und mein Verstand wachsen durften.
Sicherlich hast du mir manch Hindernisse in den Weg gelegt. Hast mich an mir selbst zweifeln lassen. Brachtest mich auch manchmal zur schieren Verzweiflung. Ich hinterfragte dich, nahm deine ungewöhnliche Lage, dein Platz in der altehrwürdigen Cannstatter Kurve zum Anlass dich zu kritisieren. Ich haderte oft mit deinem Publikum, war mir unsicher, ob ich mit meinen Entscheidungen, dich ich für dich traf richtig lag. Es gab Momente, in denen ich dich am liebsten hätte eintauschen wollen. Ich sah mit sehnsüchtigem Blick auf deine Brüder und Schwestern in anderen Stadien, in denen mein Verständnis für den Fussball und die Ultrakultur doch scheinbar soviel einfacher, viel greifbarer war.
Und doch, du hast mich zu dem gemacht was ich heute bin. Ich hab mit dir mit die schönsten Momente erleben dürfen. Hier lernte ich zu leben. Frei zu leben. Mein Leben zu leben! Du gabst mir Kraft, auch die schweren Zeiten durchzustehen. Unvergessene Augenblicke mit dir, werden mich mein Leben lang begleiten. Wenn ich zurück blicke, fallen mir zu fast jedem Spiel, dass ich mit dir erleben durfte Geschichten ein.
Nicht die Resultate standen für dich im Vordergrund. Du warst eh immer da! Sei es nach Spielen, bei denen du immer wieder aufzeigen konntest was wirklich in dir steckt. Du stimmtest lautstark mit ein, wenn das Kollektiv aus Beton, Mensch und Emotion zu Höchstform auflief, du warst ein lebendiger Teil der Cannstatter Kurve! Genauso warst du da, wenn nach bitteren Niederlagen deine Mannschaft mit hängenden Köpfen über die Laufbahn an dich heran trat. Du gabst ihnen und deinen Besuchern neuen Mut, dich trotz allem Stolz und Aufrecht zu verlassen!
Sicherlich nagte der Zahn der Zeit an dir, du warst keine wirkliche Schönheit. Du warst schlicht und einfach gehalten. Aber du verkörperst genau das, was ich suchte und brauchte. Deine engen Stufen, deine damals so unglaublich vielen Reihen, als ich dich zum ersten mal betrat. Der Moment, den man geschenkt bekam, wenn man aus deinem Mundloch trat und in das Weite Rund des Neckarstadion blickte. Das alles war der Charme, den du versprühtest, der dich zu dem machte was du für mich bist und für immer bleiben wirst!
Wenn du nun fallen wirst, mein A-Block, dann werde ich bei dir sein. Ich werde manch Träne vergießen, wenn ich dich nach dem heutigen Spiel zum letzen mal verlassen werde. Denn du bist meine Leidenschaft. Du und die Tradition, die du mit bewahrt hast, werden niemals untergehen dürfen. Das will ich dir und der ganzen Cannstatter Kurve versprechen!

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