Aktuelle Stellungnahme des VfB-Fanausschusses

Anbei die aktuelle Stellungnahme des VfB Fan-Ausschusses zum DFL-Papier „Sicherheit im Stadion“, das wir für Euch dokumentieren:

Hallo VfB-Fans,

in verschiedenen Internetblogs und Zeitungsartikeln wird über den Maßnahmenkatalog „Sicheres Stadionerlebnis“ der DFL diskutiert. Wir möchten euch hierzu einige Informationen geben.

Zum Hintergrund und zur Entstehung des Papiers schreibt der Kicker in seiner Ausgabe vom 24.09.2012 wie folgt:
Nach der Sicherheitskonferenz in Berlin (17. Juli) sowie dem Spitzengespräch von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball mit der Innenministerkonferenz (23. Juli) in Berlin beraten die Vertreter der Klubs jetzt über konkrete Maßnahmen beim Thema Sicherheit. Sie folgen damit der Aufforderung von Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich.

Am 22.08. wurde innerhalb der DFL eine „Kommission Sicherheit“ gegründet, die innerhalb von nur 4 Wochen das bereits angesprochene, 32seitige Maßnahmenpaket „Sicheres Stadionerlebnis“ ausgearbeitet hat. Mitglieder dieser Kommission war/ist unter anderem auch Matthias Huber, Direktor Sicherheit beim VfB. Das weitere Vorgehen der DFL sieht vor, den Vereinen bis 19.10. die Möglichkeit zur Stellungnahme zu geben um gewünschte Änderungen einzuarbeiten. Am 12.12. soll das Papier beschlossen werden, damit die Maßnahmen zur Spielzeit 2013/2014 in Kraft treten können.

Der VfB Stuttgart wollte das Papier am 15.10. mit den Fans im Rahmen der Fan-Ausschuss-Sitzung besprechen. Hierzu sollte Herr Huber das Papier vorstellen und erläutern, während die Mitglieder des Fan-Ausschusses ihre Anmerkungen dazu machen sollten. Diese Kommentare der Fanvertreter sollten dann in die Stellungnahme des VfB gegenüber der DFL einfließen.

Die Mitglieder des Fan-Ausschusses haben sehr deutlich gemacht, dass sie das Maßnahmenpapier als Gesamtes ablehnen und die von der DFL und auch vom VfB angedachte Vorgehensweise strikt ablehnen! Wir wollen euch im Folgenden erläutern weshalb:

1.) Das Maßnahmenpapier lag den Fan-Ausschuss-Mitgliedern vor der Sitzung, wohl aufgrund der knappen Zeitleiste, offiziell nicht vor. Die FA-Mitglieder hätten somit ohne Vorbereitung innerhalb einer Sitzung Stellung zu 32 Seiten Maßnahmen nehmen sollen. Dies ist nach unserer Ansicht keine geeignete Form, um über derart komplexe und einschneidende Sachverhalte zu diskutieren.

2.) Die Ansicht der Fans, bzw. Fan-Ausschuss-Mitglieder sollte Teil einer Gesamtstellungnahme des Vereins sein, d.h. die Anmerkungen der Fans würden erst VfB-intern gegenüber anderen (Sicherheits-)interessen abgewogen und ggf. gestrichen oder verwässert. Wenn man bedenkt, dass die Stellungnahme des VfB nur eine von 36 DFL-Vereinen ist, wäre unser Input marginalisiert.

3.) Wir wollen noch einmal sehr deutlich machen, dass dieses Papier ausdrücklich NICHT mit der Beteiligung oder Billigung der VfB-Fans zustande gekommen ist. Sollte VfB-Präsident Mäuser am 12.12. in der DFL-Mitgliederversammlung dieses Papier unterschreiben, handelt er ausdrücklich entgegen der Meinung und Einschätzung der von uns repräsentierten VfB-Fans!

4.) Wir FA-Mitglieder sind überzeugt davon, dass der kontinuierliche und ehrliche Dialog mit den Fans viel eher dazu geeignet ist zu einer Entspannung der Situation beizutragen als von oben diktierte repressive Maßnahmen. Dieser Dialog wird in Stuttgart seit Jahren erfolgreich gepflegt und zeigt, dass eine lebendige, lautstarke und farbenfrohe Fankultur ausdrücklich nicht im Widerspruch zum Sicherheitsempfinden im Stadion steht! Der VfB hat sein Ohr an der Basis und weiß somit um die Wünsche und Bedürfnisse seiner Stadionbesucher, während er gleichzeitig für seine Positionen Verständnis schaffen kann und die Fans in (Mit-)Verantwortung nimmt. Dies sorgt für ein Klima, das viele – nicht alle – Konflikte vermeidet und somit Maßnahmen, wie sie nun auf dem Tisch liegen, überflüssig macht.

5.) DFB und DFL haben es in den vergangenen Jahren versäumt einen Dialog mit Fans zu etablieren. Gesprächsangebote von Fangruppen wurden von den Verbänden mehrfach ausgeschlagen. Selbst die eigenen Fanbeauftragten werden nicht in Themen einbezogen, die letztlich ihre Arbeit betreffen. Die Verbände haben in der Vergangenheit schlichtweg ihre Hausaufgaben nicht gemacht! Dem Versuch, dies über die Beteiligung der Fans an den Stellungnahmen zum Maßnahmenpapier kaschieren zu wollen, erteilen wir eine deutliche Absage! Gleichzeitig rufen wir DFB und DFL zum wiederholten Male auf, endlich auf die Fans zuzugehen und mit ihnen ehrlich und auf Augenhöhe zu verhandeln!

6.) Selbstverständlich sind wir ebenfalls bereit darzustellen, wie aus unserer Sicht dem Bedürfnis der Vereine nach einer Steigerung des subjektiven Sicherheitsempfindens Rechnung getragen werden kann. Dieses wichtige und komplexe Thema darf aber nicht unter Zeitdruck besprochen werden oder indem man den Fans sprichwörtlich die Pistole auf die Brust setzt.

7.) Der anwesende Mediendirektor Marcus Jung hat nach einer hitzigen Diskussion richtigerweise festgehalten, dass der VfB nach dem deutlichen Widerspruch des Fan-Ausschusses mehr tun muss als bloß schriftlich zu dem Papier Stellung zu nehmen! Hier sehen wir den VfB ausdrücklich in der Pflicht! Wir unterstützen ausdrücklich die vom VfB Stuttgart geplante offensivere Darstellung der erfolgreichen Fanarbeit in Stuttgart.

Da das Maßnahmenpapier „Sicheres Stadionerlebnis“ bereits in diversen Internetforen zum Download bereitgestellt wurde, haben wir euch zur besseren Transparenz einen Link beigefügt, damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt: https://www.dropbox….2009%202012.pdf

Das Papier sieht ein Sammelsurium an Maßnahmen vor, die in sechs Handlungsfelder unterteilt sind. Darunter findet sich neben einem Ausbau der Kontrollsysteme (u.a. an den Stadioneingängen), eine Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinien sowie verschiedene Forderungen an Dritte (u.a. die vermehrte Weitergabe von persönlichen Daten durch die Polizei an die Vereine). Kernpunkt des Papiers ist die Etablierung sogenannter Fankodizes, die nach Auffassung der DFL einen bestimmten Mindestinhalt haben müssen. Diese Kodizes sollen nicht nur zur Voraussetzung für die Lizensierung der Vereine gemacht werden, vielmehr sollen Fanclubs, die einen solchen Kodex nicht unterzeichnen, durch Entzug von sogenannten „Fanprivilegien“ (z.B. Mitbringen von Fanmaterial und Zaunfahnen, keine Berücksichtigung beim Verkauf von Tickets usw.) bestraft werden. Verstöße gegen den Kodex sollen weitreichende Maßnahmen nicht nur gegen Einzelpersonen, sondern durch eine Art „Sippenhaft“ gegen ganze Fanclubs zur Folge haben. Stehplätze sind nach der Vorstellung der DFL kein „unveränderlicher Besitzstand“ mehr. Wir gehen davon aus, dass eine Umsetzung des Papiers das Ende der von uns allen geschätzten Fankultur bedeutet!

Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Papier und seinen Auswirkungen findet ebenfalls auf vielen Seiten im Internet statt. Dies zeigt auch, welche Relevanz die geplanten Maßnahmen für alle Stadionbesucher in Deutschland haben werden. Es nützt uns überhaupt nichts, dass wir in Stuttgart relativ wenig Probleme und etablierte Kommunikationsstrukturen haben, wenn von Verbandsseite drakonische Maßnahmen diktiert werden.

Eure Vertreter im VfB Fan-Ausschuss

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